Ärger um Online-Lotto per E-Postbrief

Veröffentlicht am 19/07/10 - bei Nicolas Reuss Nachrichten

Vergangene Woche präsentierte die Deutsche Post ihren neuen E-Postbrief. Damit wird das Briefgeheimnis ins Internet übertragen. In Hessen hat man bereits ganz andere Ideen, was sich mit dem neuen E-Postbrief alles machen ließe: Lotto per Internet nämlich. Noch diesen Monat soll man mit Hilfe des neuen Post-Dienstes online Tippscheine anfordern und Tipps abgeben können. Dagegen klagt jetzt der Fachbeirat Glücksspielsucht.

Am vergangenen Mittwoch ging die Website an den Start, über die man sich für den E-Postbrief anmelden kann. Genau wie der normale Brief, wird auch der elektronische 55 Cent kosten. Der Kunde hat dabei die Wahl, ob er seinen Brief per rechtssicherer E-Mail oder von der Post ausdrucken und auf herkömmlichem Weg  verschicken lassen will. Bei diesen Möglichkeiten sind die ersten Kunden nicht weit: SAP, die Allianz, der ADAC und Lotto Hessen zählen zu den ersten Kunden.

Suchtpotenial vorhanden

Für Lotto Hessen wäre das neue Angebot der Post besonders interessant, denn es würde der Gesellschaft ermöglichen, Lotto im Grunde wieder über das Internet anbieten zu können. Das ist jedoch seit dem Glücksspielstaatsvertrag untersagt. Das ist auch die Begründung des Fachbeirates Glücksspielsucht, der das Land Hessen nun verklagt hat. Denn er hält die Möglichkeit, Lottoscheine per E-Postbrief anzufordern und abzuschicken für „suchtanreizend und verboten“, da sie gegen den Glücksspielstaatsvertrag verstoße.

Wird Lotto per E-Postbrief angeboten, werde „eine leichte Flucht aus der Realität ermöglicht“, da „ein Spielsuchtgefährdeter nur noch einmal seine gewohnte und sichere Umgebung verlassen, und zwar um sich in einer Postfiliale für das Angebot anzumelden. Danach könne er alles aus der vertrauten Umgebung heraus erledigen. Die Hemmschwelle, zu spielen, sei wesentlich geringer als bisher, denn zu anderen Spielern oder Mitarbeitern der Lotto-Annahmestellen bestehe künftig kein Kontakt mehr.

Hessen im Alleingang

Bei Lotto Hessen sieht man die Sache etwas anders. Heinz-Georg Sundermann, Chef von Hessen Lotto zeigte sich überrascht: „Ich halte es für völlig ausgeschlossen, dass durch unser Angebot einen erhöhte Suchtgefahr entsteht“. Denn das System verfüge natürlich über Beschränkungen, die den Spieler schützen sollen. So darf zwischen 23 Uhr und 6 Uhr nicht getippt werden und der Maximalbetrag, der pro Woche gesetzt werden darf, liegt bei 250 Euro. Auch bisher sei das Verschicken von Tippscheinen auf Papier möglich, der E-Postbrief würde hier nur kleine Veränderungen bringen.

Jetzt Adresse sichern

Wer das Angebot der Post nutzen möchte, der sollte sich jetzt schnell eine Adresse mit seinem Namen sichern. Ist ein Name einmal vergeben, bekommen alle weiteren Adressen mit dem gleichen Namen Ziffern angehängt. Die Reservierung unter www.epost.de ist kostenlos. Nach der Registrierung wird ein Code auf das Handy verschickt, den man dann gleich auf der Website eingeben sollte. Ab November gibt es dann per Post einen Brief mit einem Freischaltcode. Mit dem Ausdruck dieses Briefes und dem Personalausweis muss man sich dann bei einer Postfiliale identifizieren. Das aufwändige Verfahren soll sicher stellen, dass mit dem E-Postbrief kein Missbrauch getrieben wird. Wirklich nutzbar ist der E-Postbrief – und damit auch das Online Lotto - also erst ab November.