Bei Sportwetten braucht es Geschick

Veröffentlicht am 19/10/10 - bei Nicolas Reuss Nachrichten

Der Deutsche Glücksspielstaatsvertrag soll das Glücksspiel regeln und die Menschen vor ihrem eigenen, im Falle einer Spielsucht, unkontrollierten Handeln schützen. Der Vertrag unterscheidet zwischen Glücksspiel und Geschicklichkeitsspiel. Beim Glücksspiel greift der Staat regulierend ein, bei Geschicklichkeitsspielen nicht. Zwei Juristen aus Bonn haben sich diese Tatsache zum Anlass genommen, bei Sportwetten einmal genauer hinzusehen: Sind sie eher dem Glücks- oder dem Geschicklichkeitsspiel zuzuordnen?

Die Juristen Andreas Glöckler und Emanuel Towfigh haben eine empirische Studie durchgeführt, die zu dem Ergebnis kommt, dass die Unterscheidung zwischen diesen beiden Spielarten, die der Glücksspielstaatsvertrag vornimmt, zu grob sein könne. Die Studie mit dem Titel „Geschicktes Glücksspiell die Sportwette als Grenzfall des Glücksspielrechts“ (issue 2010/32, Bonn, Max Planck Institute for Research on Collective Goods, 2010) beschäftigt sich vor allem mit den Sportwetten.

Sportwette: Glücksspiel oder nicht?

Glöckler und Towfigh stellen in der Studie die Frage, wie viel Glück bei Sportwetten wirklich dabei ist. Sind sie wirklich dem Glücksspiel zuzuordnen oder gehört auch Geschick dazu? Wenn das der Fall ist, sind Sportwetten dann harmlos oder gefährlich?

Um diese Fragen beantworten zu können mussten die Testpersonen auf ausgewählte Bundesliga-Spiele 2008/2009 und 2009/2010 tippen; einmal drei Wochen vor dem Spiel und noch einmal drei Tage vor dem Spiel. Um einschätzen zu können, wie viel Ahnung die Versuchsteilnehmer von Fußball haben, mussten sie im Vorfeld ein Sportquiz lösen und ihre Fähigkeiten selbst einschätzen. Über diese Angaben sollte herausgefunden werden, wie viel Einfluss das Wissen der Teilnehmer auf das Ergebnis der Fußball-Tipps hatte.

Ergebnis des Versuchs war, dass die Wetten, die drei Tage vor dem Spiel abgegeben wurden, erfolgreicher waren als die drei Wochen zuvor abgegebenen. Ein besserer Tipp gelang auch vor allem den Testpersonen, die sich mit Fußball auskannten und die neuen Informationen (z. B. Ausfall von bestimmten Spielern, Stimmung der Mannschaft usw.) in ihren Tipp mit einbeziehen konnten. Bei den drei Wochen vor dem Spiel abgegebenen Tipps war es egal, wie viel Geschick und Wissen die Testpersonen mitbrachten.

Geschicklichkeitsfaktor ist vorhanden

Es ist also tatsächlich so, dass das Wissen über Fußball und den Zustand der Mannschaft und andere Faktoren einen Einfluss auf den Erfolg einer Sportwette haben kann. Es ist also durchaus Geschick gefragt. Doch die Forscher warnen auch gleichzeitig vor dem Ergebnis, denn viele Sportwetter hielten sich offenbar für schlauer als sie sind. „Je mehr Geschick ein Proband aufweist, desto stärker schätzt er den Einfluss des Geschicks auf den Wettausgang ein“, so die Studie.

Genau deshalb sei es so wichtig, die Einteilung zwischen Glücks- und Geschicklichkeitsspielen noch einmal zu überdenken. Denn Sportwetten seien Mischspiele, die zum einen Geschick erfordern, aber trotzdem ein Glücksspiel sind. Diese Tatsache würde von den Spielern unterschätzt – und hier lägen die Gefahren. Deshalb müsse bei der Einteilung von Spielen genau geprüft werden, wie hoch die Suchtgefahr tatsächlich ist.