Bis zu 5 Jahre Haft für Poker-Räuber

Veröffentlicht am 30/06/10 - bei Nicolas Reuss Nachrichten

Im März dieses Jahres raubten sie auf spektakuläre, wenn auch etwas stümperhafte Weise die European Poker Tour im Berliner Grand Hyatt Hotel aus und erbeuteten dabei knapp 240.000 Euro. Jetzt stehen die vier Poker-Räuber vor Gericht und müssen mit Haftstrafen von bis zu fünf Jahren rechnen, wenn dem Antrag der Staatsanwaltschaft entsprochen wird.

Mit der Begründung „Das waren keine Anfänger“ und dem Blick auf das teilweise sehr lange Vorstrafenregister der Täter hat die Berliner Staatsanwaltschaft Haftstrafen zwischen vier und fünf Jahren vor der Jugendstrafkammer des Berliner Landgerichtes beantragt. Der Kronzeuge in dem Fall soll vier Jahre in Haft, die übrigen Täter fünf Jahre.

Anders als viele Medien schätzt der Staatsanwalt Frank Heller die Tat der Viererbande nicht als völlig stümperhaft ein. „Auf einer Skala zwischen völlig dilettantisch bis hoch professionell liegen wir hier mit Sicherheit im Mittelfeld“, so Heller.

Kronzeuge kommt milder davon

Wenige Tage nach dem Überfall hatte sich damals der 21-Jährige Kronzeuge in dem Fall der Polizei gestellt und seine Aussage gegen die anderen Komplizen gemacht. Der junge Mann soll außerdem einen Wiedergutmachung in Höhe von 3.000 Euro angeboten haben. Aufgrund dieser Kooperation mit den Polizeibehörden beantragte Heller eine mildere Haftstrafe von vier Jahren.

Auch ein 20-Jähriger Komplize, der den Ermittlern den Namen eines Hintermannes im Poker-Raub verraten hatte, soll mit vier Jahren davon kommen. Für die beiden anderen Täter hat Heller Haftstrafen von vier Jahren und sechs Monaten bzw. fünf Jahren beantragt.

Verteidiger fordern weniger

Die Verteidiger der jungen Räuber fordern für alle Strafen von zwei Jahren auf Bewährung mit der Begründung, dass die Bande von Hintermännern zu der Tat angestiftet worden sei. Außerdem seien die Sicherheitsmaßnahmen während des Poker-Turniers schlecht gewesen, da der Tresor zum Tatzeitpunkt offen gestanden habe.

Ein anderer Verteidiger beantragt für seinen Mandanten eine Haftstrafe von einem Jahr ohne Bewährung und plädiert für Freispruch vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung. Die Chance auf eine Bewährungsstrafe sei in diesem Fall sehr gering, da das Vorstrafenregister des Mannes bereits zu lang sei.

Wie das Gericht im Fall des Raubüberfalles auf die European Poker Tour im März dieses Jahres entscheiden wird und wie hoch die Haftstrafen für die vier Männer sein werden wird sich noch zeigen müssen. Die Anklage lautet auf schweren Raub und gefährliche Körperverletzung. Der Prozess gegen die Vier vor dem Berliner Landgericht soll im August beginnen. Ob dabei auch gegen die zwei derzeit in Untersuchungshaft sitzenden Hintermänner geurteilt wird, ist zur Zeit noch offen.