Bürger wollen geregeltes Glücksspiel

Veröffentlicht am 14/12/10 - bei Nicolas Reuss Nachrichten

Derzeit hat die Glücksspiel-Branche nur ein Thema: Den neuen Glücksspielstaatsvertrag. Die Großen der Branche und die Politiker streiten sich um die Frage, ob der Markt in Deutschland geöffnet werden und das Glücksspiel damit liberalisiert werden soll oder ob das Glücksspiel weiter unter der strengen Kontrolle des Staates stehen soll. Für beide Möglichkeiten gibt es Für und Wider. Doch wer bisher nicht gefragt wurde, sind die Bilder. Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat das jetzt geändert.

 

Am kommenden Mittwoch, den 15. Dezember 2010 besprechen sich die Ministerpräsidenten der Länder zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und beraten unter anderem darüber, wie das Glücksspiel in Deutschland künftig gestaltet werden soll. Die Menschen, die in Deutschland leben, haben davon offenbar schon sehr genaue Vorstellungen – und diese überraschen etwas.

Keine Kommerzialisierung

Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Forsa zufolge steht nämlich die klare Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger hinter dem Modell des Glücksspielstaatsvertrages. Eine Kommerzialisierung des Glücksspieles und die damit verbundene Zulassung von privaten Anbietern lehnen die Bürger offenbar ab.

Eine überwältigende Mehrheit von 77 Prozent sind der Umfrage zufolge für eine Begrenzung des Spiels unter staatlicher Kontrolle, nur neun Prozent stimmten für eine Zulassung kommerzieller Anbieter. Ein Ergebnis, das überrascht. Sind doch die Einnahmen, die derzeit mit Online Glücksspiel auf ausländischen Plattformen erzielt werden, enorm. Viele Spieler weichen auf ausländische Angebote ab, weil das Spielen im Internet in Deutschland nicht erlaubt ist. Man sollte davon ausgehen, dass sich diese Menschen wünschen, nicht mehr in einer rechtlichen Grauzone unterwegs zu sein, sondern auch in Deutschland ohne Angst im Internet spielen zu können.

Ein Zeichen an die Minister?

Dass die Forsa-Umfrage jetzt das komplette Gegenteil ergab, überrascht. Im November wurden insgesamt 1009 Personen ab 18 Jahren zu dem Thema befragt worden, damit ist die Umfrage repräsentativ, d. h. die Aussagen der Befragten lassen auch Aussagen auf die Meinung der übrigen Bevölkerung zu. Und diese vertraut offenbar der staatlichen Kontrolle, denn 65 Prozent der für die Umfrage befragten stimmen zu, dass die staatliche Regelung Verlässlichkeit und Rechtssicherheit gewährleistet.

Auch die Gefahren der Spielsucht war Thema der Umfrage: 61 % stimmen zu, dass die staatliche Regelung für die Eindämmung der Spielsuchtgefahren wichtig ist. Ein Punkt, der allerdings strittig ist, da ja gerade das „Abwandern“ der Spieler auf ausländische Plattformen nicht kontrollierbar ist.

Den Federführer des Deutschen Lotto- und Totoblocks und Präsidenten der staatlichen Lotterieverwaltung Bayern gefällt das Ergebnis der Umfrage: „Dies ist ein klares Signal an die Ministerpräsidenten der Länder, am Staatsvertragsmodell festzuhalten“, so Erwin Horak. „Die Bürgerinnen und Bürger wollen keine Kommerzialisierung, sondern einen klaren staatlichen Ordnungsrahmen, der für Seriosität und Verlässlichkeit steht.“ Wie der dann aussehen wird, wird sich in den nächsten Wochen zeigen.