bwin drängt auf Liberalisierung

Veröffentlicht am 30/08/10 - bei Nicolas Reuss Nachrichten

Während die Fusion zwischen dem österreichischen Online-Wetten-Anbieter bwin und dem britischen Glücksspielkonzern PartyGaming gerade auf Hochtouren läuft, pocht Co-CEO Norbert Teufelberger weiter auf eine Liberalisierung des Glücksspielmarktes. "Lasst uns auf den Markt", fordert Teufelberger gegenüber der Nachrichtenagentur APA. Indes denkt bwin über einen Verkauf einzelner Plattformen nach, da es teilweise Überschneidungen zwischen den beiden Fusionsbeteiligten gäbe.

Sowohl bwin als auch PartyGaming machen sich derzeit Gedanken darüber, welche Marken und Portale erhalten werden sollen und welche abgestoßen werden. „Jetzt überlegen wir, was die beste Plattform für die Zukunft ist. Wahrscheinlich werden wir einen Mix nehmen“, so Teufelberger. Dass das auf Kosten von Stellen passieren könnte, ist naheliegend. Doch Teufelberger stellt klar:  Ob Arbeitsplätze gestrichen werden und wie viele, „hängt auch davon ab, inwieweit man uns in Österreich will oder nicht“.

Dabei geht es Teufelberger nicht nur um die Steuernachzahlung in Höhe von mehr als sechs Millionen Euro, die das österreichischen Finanzbehörden von bwin fordern, sondern auch um die Online-Gesetzgebung in Österreich. „Wir können uns keinen großen Standort in Österreich leisten, wenn nicht reguliert wird“, so Teufelberger. Die kürzlich umgesetzte Glücksspiel-Novelle beschäftigt sich nämlich noch nicht mit dem Glücksspiel im Internet.

Glücksspielmarkt soll geöffnet werden

Dass ein Verbot von Online-Glücksspiel nicht der richtige Weg ist, zeigt das Beispiel Deutschland, zumindest wenn man den Gedanken von bwin folgt. Laut Teufelberger habe das staatliche Monopol „versagt“. 2006 habe der staatliche Anbieter Oddset noch etwa 200 Millionen Euro an Steuereinnahmen gebracht, bei einem Umsatz von mehr als 600 Millionen Euro. Drei Jahre später, nach Einführung des Glücksspielstaatsvertrages, sei der Umsatz auf 182 Millionen Euro abgesunken, in diesem Jahr könne es noch weiter nach unten gehen. Doch Teufelberger gibt sich schadenfroh, denn „das Schöne ist, wir haben es vorhergesagt.“

Deshalb fordert bwin eine Öffnung des Glücksspielmarktes. „Lasst uns auf den Markt und ihr werdet sofort eure Steuereinnamen ver-x-fachen“, so Teufelberger gegenüber der APA. Man müsse privaten Anbietern im Internet eine Chance geben, denn die Spieler wollen spielen, der Staat bietet aber weder Poker, Bingo noch andere Online Spiele an. Den Bürgern ein bestimmtes Produkt aufzuzwingen sei wenig ziel führend.
 
Italien ist laut Teufelberger ein positives Beispiel für die Regelung des Glücksspiels. Dort wurden im vergangenen Jahr mit dem Online Gaming etwa 200 Millionen Euro an Steuergeldern verdient. Nächstes Jahr rechne man dort mit 400 Millionen Euro, denn inzwischen wurden auch Online Pokerräume und Online Casinos in Italien legalisiert.