Bwin + PartyGaming = Nummer 1

Veröffentlicht am 02/08/10 - bei Nicolas Reuss Nachrichten

Jetzt ist es raus, der österreichische Wettanbieter Bwin fusioniert mit der britischen PartyGaming. Die beiden großen im Glücksspielgeschäft schließen sich damit zum größten an der Börse notierten Anbieter von Online Glücksspiel zusammen. Es ist geplant, die Fusion im ersten Quartal 2011 komplett abzuschließen. An der Börse freut man sich über den neuen Großkonzern, die Bwin-Aktie kletterte um knapp 28 Prozent, PartyGaming legte 30 Prozent zu.

Lange war es unklar, ob es mit der Fusion nun klappt oder nicht. Ende Juni sagte Hannes Androsch, Aufsichtsratschef bei Bwin noch: „Die Gespräche mit den Engländern haben nicht zu dem gewünschten Ergebnis geführt.“ Doch jetzt scheinen die Verhandlungen mit PartyGaming doch noch einen positiven Ausgang gefunden zu haben.

Größter Online-Glücksspiel-Konzern

Am vergangenen Donnerstag war es dann so weit, die Fusion wurde in trockene Tücher gepackt. Mit einem Kapital von 2,538 Milliarden Euro und Nettospielerträgen von etwa 700 Millionen Euro ist der aus der Fusion von Bwin und PartyGaming entstehende Firmengigant der größte Anbieter von Online Glücksspiel, der an der Börse notiert ist. Auch Bwin-Vorstand Norbert Teufelberger freut sich darüber: „Wir sind jetzt dreimal so groß wie der nächste Konkurrent“.

Die Aufteilung der Anteile an dem Mega-Konzern sieht Bwin mit 51,6 Prozent in der Mehrheit, während PartyGaming 48,4 Prozent hält. Auch die Führungsriege steht schon fest: Bwin-Chef Teufelberger und PartyGaming-Chef Jim Ryan. Wie die neue Gesellschaft, die nach europäischem Recht aus den beiden Firmen gegründet wird, heißen soll, ist noch unklar. Sitz wird jedoch Gibraltar sein, denn dort sind beide Unternehmen aus steuerlichen und rechtlichen Gründen bereits jetzt schon ansässig.

Drängen auf den US-Markt

Der neue Großkonzern ist mit den beiden Firmen gut aufgestellt, vor allem auf dem europäischen Markt, denn während Bwin bisher stark im Bereich der Sportwetten im Internet war, ist PartyGaming bisher auf die Bereiche Onilne Casinos und Online Poker spezialisiert. Der neue Konzern wird vom Können und dem Wissen aller Bereiche profitieren.

Ziel ist natürlich die Ausweitung der Firmenpräsenz auch auf den amerikanischen Markt. So hoffen beide, Bwin und PartyGaming, auf ein Ende des „Unlawful Internet Gambling Enforcement Act“ (UIGEA) und auf eine Liberalisierung des amerikanischen Glücksspielmarktes. Sollte der amerikanische Glücksspielmarkt geöffnet werden, wollen Bwin und PartyGaming mit ihrem neuen Konzern an erster Stelle mitspielen.

Was passiert mit Wien?

Bwin hat bisher auch einen Standort in Wien, an dem 800 Mitarbeiter in der IT, im Marketing und der Verwaltung arbeiten. Was mit diesen nach der Fusion passieren wird, ist derzeit noch unklar. Klar ist jedoch Bwin-Mitbegründer Manfred Bodners Haltung zum Standort in Österreich, denn der habe sich in letzter Zeit „für das Unternehmen unerfreulich entwickelt“. Und auch Teufelberger spricht klare Worte: „Da der Holding-Standort künftig nicht mehr Wien ist, wird es Veränderungen geben“. Wie diese aussehen werden, bleibt abzuwarten.