The Cincinnati Kid: Der Film über Poker
Dieser Filmklassiker wird als "die Mutter aller Pokerfilme" bezeichnet: Sehen und lesen Sie selbst, wie in diesem Streifen der Pokerstar Eric Stoner die Casinos unsicher macht!
Handlung
New Orleans 1936, mitten in der Depression: Der junge Eric "The Kid" Stoner gilt als der beste Pokerspieler der Stadt. Besessen von dem Gedanken, der unangefochtene König der Karten zu werden, sieht er seine große Chance in einem schicksalhaften Duell mit dem Altmeister Lancey Howard. Der widersetzt sich der Herausforderung des jungen Heißsporns zunächst, wird jedoch schließlich von Kids Freund Shooter überzeugt. Shooter wiederum ist Opfer einer Intrige des zuvor von Howard vernichtend geschlagenen William Jefferson Slade, der sich für seine Demütigung rächen will.
So kommt es zur Konfrontation am Kartentisch, bei der Shooter zunächst als Geber fungiert. Als Kid jedoch erfährt, dass Shooter auf Slades Erpressung hin das Spiel zu seinen Gunsten manipulieren soll, droht er, die Sache auffliegen zu lassen. In der unbeirrbaren Überzeugung, Howard ohne Hilfe entthronen zu können, manövriert er Shooter aus dem Spiel und sucht die finale Entscheidung.
Hintergrund
Drei Jahre, bevor in Reno die Geburtsstunde der WSOP schlug, entstand 1965 dieser legendäre Pokerfilm mit dem damaligen Shootingstar Steve McQueen. Während der zugrunde liegende Roman von Richard Jessup in Sachen Sex und Crime ähnlich explizit ist wie die Detektivnovellen eines Chandler oder Hammett, ging der Produktion die von Regisseur Sam Peckinpah beabsichtigte Freizügigkeit zu weit: Wegen einer geplanten Nacktszene wurde Peckinpah gefeuert und durch Norman Jewison ersetzt. Der hielt sich nicht nur an die Maßgaben der nach dem noch immer gültigen Hays Code - der Filmzensur-Richtlinie - gerade noch zulässigen puritanischen Erotik, sondern entschied sich auch für teilweise bewusst übersättigte Farben anstelle von Peckinpahs nüchternem Schwarzweiß.
Kommentar
Die häufigste Kritik an dem Film ist die mathematische Unglaubwürdigkeit des Finales. Die Wahrscheinlichkeit für das Vorkommen beider Kombinationen in derselben Runde liegt nach Expertenmeinung (Michael Wiesenberg im "Card Player Magazine") unter 45 Millionen zu Eins. Zum Vergleich: Die Chancen auf sechs Richtige im Lotto werden dagegen mit optimistischen 14 Millionen zu Eins veranschlagt. Auch über die etwas stereotyp geratenen weiblichen Charaktere lässt sich diskutieren: Blonde Unschuld vom Lande mit dem sprechenden Namen „Christian" versus männerfressender Vamp mit zweifelhafter Vergangenheit, gespielt von Ann-Margaret.
Sehenswert ist die "Mutter aller Pokerfilme" dank der hervorragenden Darsteller aber allemal. Steve McQueen ist als personifizierte Coolness am Kartentisch bis heute unerreicht, und mit dem Satz "Genau darum geht es: Zur richtigen Zeit das Falsche zu tun" kann der Streifen auch in der IMDB-Kategorie Denkwürdige Zitate punkten. Wer in Zeiten von seriösen Online-Casinos, Hold'em fürs Handy und Einsätzen via Kreditkarte mitunter wehmütig an die Zeiten denkt, als am Pokertisch im Hinterzimmer noch Schicksale besiegelt wurden, wird voll auf seine Kosten kommen. Das dem Western entlehnte Thema der duellhaften Konfrontation von Alt und Jung, Gut und Böse, Integrität und Verworfenheit erfährt insofern eine interessante Variation, als genau diese Trennlinien immer wieder verwischt werden. Mit krudem Good Guys/Bad Guys-Moralismus wird man dem Film kaum gerecht - eher schon mit einer vorurteilsfreien Sichtung in Gesellschaft einiger Pokerenthusiasten, begleitet von einem Glas Bourbon und gefolgt von einer anregenden Analyse der finalen Hand.