Der Scheich und die Oma

Veröffentlicht am 22/08/07 - bei Nicolas Reuss Nachrichten

Das spielen im Internet-Casino hat sicherlich viele Vorteile. Man kann bequem, womöglich im Schlabber-Outfit, vom heimischen PC aus, seinem Hobby frönen. Eine feine Erfindung.

Der Scheich, die Oma und das Casino Spielen

Das spielen im Internet-Casino hat sicherlich viele Vorteile. Man kann bequem, womöglich im Schlabber-Outfit, vom heimischen PC aus, seinem Hobby frönen. Eine feine Erfindung.

Einziger Nachteil ist es, dass man dabei nur seinen Monitor und das bekannte Drumherum sieht. Da hat ein Besuch im „echten" Casino schon das eine oder andere mehr zu bieten.

So geschehen in einem der wohl schönsten Casinos, die Deutschland zu bieten hat, in Baden-Baden. Der Schreiber dieser Zeilen ist dort hin und wieder Gast und tummelt sich dann rund um die Roulette-Tische, die in stattlicher Anzahl zu finden sind.

Und manchmal macht sogar das beobachten der Spieler mehr Spaß, als selbst Jetons auf den Feldern zu platzieren. Da gibt es zum Beispiel den „nervösen Zocker", der sich mit einem Leihsakko, und der nicht dazu passenden Leihkrawatte, optisch wenigstens den Mindestanforderungen des äußeren Auftretens angepasst hat. Er hat vermutlich Geldsorgen und versucht sein letztes Kapital irgendwie zu vermehren. Schweissperlen stehen auf seiner Stirn, als der Groupier sagt „nichts geht mehr" und die Kugel auf ihr Ziel zurollt.

Neben vielen anderen skurrilen Persönlichkeiten sind mir an diesem Abend jedoch zwei besonders ins Auge gestochen.

Eine ältere, nein sagen wir besser alte Dame saß in ihrem Rollstuhl am Roulette-Tisch. Meiner Schätzung nach war sie mindestens 90 Jahre alt und konnte gerade eben über die Tischkante schauen. Hätte sie ihre Jetons direkt vor ihren Augen gestapelt, wäre ihr die Sicht verwehrt geblieben. Denn dort lagen drei ca. 10 cm hohe Stapel von den „großen viereckigen" wie ich sie gerne nenne. Ein kleines Vermögen, das sie in der Zeit in der ich sie beobachtet habe in eine sehr nette Doppelhaushälfte (mit Grundstück und Pool) verwandelt hat. Mit stoischer Ruhe hat sie die Jetons immer auf genau die Felder gesetzt, die auch getroffen haben. Ihre Nachkommen waren bestimmt begeistert.

Während dieser Zeit ist mir noch ein echter Gewinnertyp aufgefallen, der es wohl aber gar nicht nötig gehabt hat, das große Geld aus dem Spielsaal zu tragen. Offenbar ein arabischer Scheich (in landestypischem Outfit mit Kopftuch), der, von 2 Bodyguards gefolgt, zwischen den Roulette-Tischen hin und herging und völlig planlos die „ganz großen viereckigen" auf die Tische warf. Auf dem Rückweg hat er dann die Gewinne eingesammelt und das, was er nicht selbst tragen konnte einem seiner Bediensteten überreicht. Dieses Prozedere hat sich ungefähr 10 mal wiederholt. Faszinierend.

Es ist wohl doch etwas dran an dem Sprichwort: „Die erste Million ist die schwierigste".