Deutsche Bürger wollen Legalisierung

Veröffentlicht am 28/06/10 - bei Nicolas Reuss Nachrichten

Wenn es um den Glücksspielstaatsvertrag in Deutschland geht, dann reden Viele mit - Regierungen, Werbeindustrie und staatliche Spielbanken. Aber eine wichtige Klientel hat bisher noch keiner so richtig zu Wort kommen lassen: Die Spieler! Eine jetzt von TMS Emnid durchgeführte Umfrage unter deutschen Staatsbürgern macht dem jetzt ein Ende und zeigt - die Deutschen sprechen sich für eine Legalisierung von Online Glücksspiel aus.

Eindeutige Ergebnisse

Mehr als Tausend Haushalte in Deutschland wurden für die Umfrage befragt. Damit ist das Ergebnis repräsentativ für alle Deutschen. Der Befragung zufolge sprechen sich satte 62 Porzent der Deutschen für eine Legalisierung von Online Glücksspielen aus. In den neuen Bundesländer sind es sogar 70 Prozent, die dem rechtsgrauen Raum ein Ende machen wollen und sich für eine Legalisierung aussprechen.

Darüber hinaus glauben die Deutschen nicht daran, dass ein staatliches Monopol für die Suchtprävention beim Glücksspiel sinnvoll ist. Ein Punkt, mit dem aber vor allem die Bundesländer, die am Staatsvertrag festhalten wollen und die staatlich konzessionierten Spielbanken die Wichtigkeit des Glücksspielstaatsvertrages unterstreichen. Offenbar kamen die bisherigen Bemühungen, durch staatliche Kontrolle das Spielverhalten positiv zu beeinflussen, so bei den Bürgern nicht an.

Von der Aufhebung des Glücksspielverbotes erhoffen sich die Deutschen auch, dass die zusätzlichen Einnahmen in Milliardenhöhe den Ländern zugute kommen und letztlich die Bürger von den erhöhten Steuereinnahmen profitieren können.

Kieler Vorstoß kommt gut an

In der Umfrage wurde auch nach der Meinung der Deutschen zum Vorstoß der Schleswig-Holsteinischen Landesregierung gefragt. Das Ergebnis: 42 Prozent befürwortet die Aktion der Kieler Regierung. Diese spricht sich schon seit längerem für eine Liberalisierung des Glücksspielmarktes aus und hatte Anfang Juni bekräftigt, notfalls auch ohne die übrigen Bundesländer eine solche in ihrem Bundesland durchzusetzen.

Die Kieler Regierungskoalition aus FDP und CDU hatte bei der Bundespressekonferenz außerdem einen Vorschlag zur Änderung des Glücksspielstaatsvertrages vorgestellt. Den seit 2008 bestehenden Vertrag sieht man in Kiel als gescheitert an. Grund dafür: Da das Spielen im Internet in Deutschland verboten ist, wandern viele Spieler auf ausländische Plattformen ab. Genau das fördere einen Schutz der Spieler nicht, da eine Überprüfung der ausländischen Anbieter kaum möglich wäre. Außerdem entgingen dem Staat seit 2008 Steuereinnahme in Milliardenhöhe.

In Schleswig-Holstein will man daher das staatliche Glücksspielmonopol kippen und sich mit der Neuregelung an das Modell aus Dänemark anlehnen, wo vor allem private Internet-Anbieter von Sportwetten und Poker zugelassen sind. Das soll, wenn es nach den Kielern geht, auch in Deutschland künftig so sein.

Die deutschen Spieler sehen das offenbar genauso, denn der Vorstoß aus Kiel trifft in der Bevölkerung auf breite Zustimmung. Ein wenig werden wir uns aber noch alle gedulden müssen, bevor entschieden ist, ob auf die Wünsche der Deutschen eingegangen wird. Der Glücksspielstaatsvertrag läuft noch bis Ende 2011 – bis dahin heißt es abwarten und das Beste hoffen.