Deutschen Casinos geht es schlecht

Veröffentlicht am 09/11/10 - bei Nicolas Reuss Nachrichten

Der Glücksspielstaatsvertrag hat Auswirkungen auf das Glücksspiel in Deutschland, das ist kein Geheimnis. Die Spielbanken, vor allem im Norden und Westen Deutschlands merken eines ganz besonders: Die Einnahmen gehen weiter zurück. Das meldete eine Sprecherin der Spielbanken Niedersachsen vergangenen Freitag in Hannover.

Grund für den Rückgang der Bruttospielerträge seien die Folgen des Glücksspielstaatsvertrages, der 2008 in Kraft getreten war. Während die Einnahmen im Jahr 2001 noch bei 120 Millionen Euro lagen, gingen der Bruttospielertrag auf 64 Millionen Euro zurück.

Staatsvertrag schlecht für das Geschäft

Mit Einführung des Glücksspielstaatsvertrages wurde das Angebot von Glücksspiel im Internet verboten, ein Geschäftszweig, der Millionen einbringen könnte und dessen Verlust sich deutlich auf die Einnahmen der Spielbanken in Deutschland auswirkte. „Wir hatten ein fertiges Online-Casino, mit dem wir dann nicht auf den Markt durften“, beklagt sich die Sprecherin. Der Verlust, der damit einher ging, sei enorm gewesen. Jetzt sei der Gesetzgeber gefordert, im Zuge der Neuregelung das Online Glücksspiel zu legalisieren.

In Schleswig-Holstein verhält es sich ganz ähnlich. Bereits seit sechs Jahren sind die Einnahmen der fünf staatlichen Spielbanken, die es dort gibt, rückläufig. Im Jahr 2004 brachten die Casinos noch mehr als 35 Millionen Euro ein, im Jahr 2009 lag das Ergebnis bei 21,3 Millionen Euro. Von Januar 2010 bis September seien die Einnahmen, Geschäftsführer Matthias Hein zufolge, im Vergleich zum Vorjahr noch einmal um 16 Prozent eingebrochen.

Online Casinos große Konkurrenz

Matthias Hein weiß, woran es liegen kann, dass die Einnahmen so drastisch zurück gegangen sind: „Es ist nicht so, dass die Leute weniger spielen, sie tun es nur woanders“, so Hein gegenüber dpad. Die Online Casinos von Anbietern aus dem Ausland, holen die frustrierten deutschen Spieler ab. Diese dürfen in Deutschland nicht spielen, da hierzulande kein Glücksspiel im Internet angeboten werden darf, und wandern deshalb auf ausländische Plattformen ab. Dies ist aber weder im Sinne des Spielerschutzes noch im Sinne der Spielbanken. Die ausländischen Plattformen können nur schlecht überwacht werden, die deutschen Casinos verlieren hohe Einnahmen.

Doch auch die Abgaben, die die Spielbanken in Schleswig-Holstein an den Staat leisten müssen, seien zu Hoch, so Heine. Bis Ende 2010 lag diese bei 80 Prozent des Umsatzes. Das hätte viele Spielbanken fast in den Ruin getrieben. Doch die Abgabe wurde angepasst und liegt seit Anfang November nur noch bei 40 Prozent, „eine gute Ausgangsbasis für die mittelfristige Existenzsicherung“, so Hein.

Wie es den Spielbanken im nächsten Jahr gehen wird, muss sich zeigen. Die Neuregelung des Glücksspielstaatsvertrages steht unmittelbar bevor, doch welche Konsequenzen das für die staatlichen Spielbanken haben wird, ist noch unklar.