Schlechte Karten für Modemuffel: Casinos legen Wert auf gepflegtes Auftreten

Veröffentlicht am 14/07/09 - bei Nicolas Reuss Nachrichten

Ob Gelegenheitsspieler oder Stammgast: Für viele Casinobesucher sind es nicht allein Glücksspiel und Nervenkitzel, die einen Besuch in der Spielbank so reizvoll machen. Es ist vielmehr die gesamte Atmosphäre, die sie anzieht: Das noble Ambiente aus Holz, Glas, Kristall und Marmor. Die Geräuschkulisse aus dem Klackern der Roulettekugeln und den Ansagen der Croupiers. Das Nebeneinander von Spannung und Erwartungsfreude, Enttäuschung und Niederlage. Eben all das, was zum Glück der Betreiber ein Online-Casino mit keiner noch so guten Grafik ersetzen kann - authentisches Casino-Gefühl.

Logisch, das man angesichts dieses massiven Zusammenspiels sinnlicher Eindrücke nicht einfach mal eben in löchrigen Jeans und ausgeleierten T-Shirts mit mehr oder minder witzigen Sprüchen drauf aufschlagen kann. Dresscodes gehörten in Casinos schon immer dazu, und auch in Zeiten vorgeblich flacher sozialer Hierarchien und betonter Gleichstellung hat sich daran nichts geändert. Man kann heutzutage zwar in Turnschuhen in die Philharmonie gehen - aber nicht ins Casino.

Beispiele gefällig? „Für viele unserer Gäste ist der Besuch unseres Casinos Ausdruck eines besonderen Erlebnisses. Wir ersuchen unsere Gäste, sich im Rahmen des Casinobesuches entsprechend zu kleiden und auf sportliche Bekleidung (Trainingsanzüge, Tennisschuhe) zu verzichten", instruiert beispielsweise das Casino Velden seine Besucher. Eben: Besondere Erlebnisse erfordern besondere Outfits - und folgerichtig herrscht in vielen Casinos für die Herren der Schöpfung Sakkopflicht, wobei das in vielen Kleiderschränken gar nicht mehr so selbstverständliche Stück oft gegen Entrichtung einer Reinigungsgebühr direkt vor Ort ausgeliehen werden kann.

Für die Damen sind die Anweisungen meist weniger deutlich. Ob man der weiblichen Hälfte der Menschheit einfach mehr Stilsicherheit zutraut? Vielleicht erübrigen sich Vorschriften en detail auch einfach, denn die Ladies lassen sich in punkto Haute Couture ja meist sowieso nicht lange bitten. Viele geben an, dass der Casinobesuch für Sie durchaus auch einen willkommenen Anlass darstellt, ein langes Abendkleid auszuführen oder schicke Schuhe aufzutragen. Ob Glück im Spiel oder Pechsträhne - die Damen treten allen emotional bedeutenden Ereignissen am liebsten gut gekleidet gegenüber.

Bleibt der Besuch in der Spielbank damit ein elitäres Vergnügen, und hat demnach Pech gehabt, wer es sich eben nicht leisten kann, in Prada zu erscheinen? Keinesfalls. Erstens hat sich der Verleih hochwertiger Abendmode inzwischen aufgrund genau dieser Nachfrage selbst jenseits der großen Metropolen zum echten Renner entwickelt - und so gibt es große Mode für einen Abend auch zum kleinen Preis. Zum anderen schreiben immer mehr Casinos ihren Besuchern auch nicht die exakte Wahl der Kleidung vor, sondern setzen gewisse Rahmenbedingungen. „Sie sollen sich bei uns wohlfühlen! Deshalb gehört zum Besuch im Grand Casino Baden weder der Smoking, noch das Ballkleid", ist der Besucherinformation einer Schweizer Spielbank zu entnehmen. Der Dresscode sieht folgerichtig so aus: „Damen: weibliche Eleganz mit Akzent. Herren: sportlich, gepflegt, geschlossenes Schuhwerk (auch im Sommer), Veston erwünscht."

Somit sind eher Stilsicherheit, dezente Eleganz und treffsichere Kombinationsgabe gefragt als die Abendrobe, die ein Monatsgehalt verschlingt. Eine geschickt platzierte Brosche, ein apartes Halstuch oder eine peppige Handtasche haben schon aus manchem schlichten kleinen Schwarzen einen echten Hingucker gemacht. Und die Herren? Können hier auch im schicken Polohemd punkten - und darüber, dass einem der Anblick der ebenso beliebten wie gefürchteten Sommerkombi Shorts zu Sandalen mit Socken erspart bleibt, wird sich wohl keiner ernsthaft beschweren.