Erzieht Facebook Kinder zu Zockern?

Erzieht Facebook Kinder zu Zockern?

Veröffentlicht am 23/07/12 - bei Ander Samson Nachrichten

Die Frage, inwieweit Facebook Kinder zum Glücksspiel verführt bzw. erzieht, scheint derzeit immer mehr Menschen zu beschäftigen. Der Grund dafür ist die rasante Ausbreitung von Social Gaming und dessen rasche Entwicklung hin zum Social Gambling. Facebook erlaubt es seinen Nutzern, gemeinsam mit Freunden zu spielen und ihren Status über die Pinnwand zu teilen.

 

Es ist eine fantastische Möglichkeit für die Spiele-Branche, doch immer öfter werden Stimmen laut, die fürchten, dass diese Entwicklung auf lange Sicht zum Schaden für Kinder werden könnte.

Es wäre naiv zu glauben, Kinder wären bei Facebook nicht aktiv. Zwar hat Facebook eine Altersgrenze eingeführt, doch falsche Geburtstagsangaben sind schnell gemacht, Fake-Profilfotos schnell hochgeladen. Und schon tut sich den Kindern die große weite Welt der sozialen Spiele auf. Dass sie dabei früher oder später auch über Glücksspiele stolpern, ist nur eine Frage der Zeit, denn in den vergangenen Jahren hat sich Facebook auch für Glücksspiele geöffnet.

Jugendliche spielen früher

„DoubleDown Casino“ oder „Zynga Poker“ sind nur zwei Beispiele – sie beide verzeichnen monatlich Nutzerzahlen in Millionenhöhe, dass darunter auch Jugendliche unter 18 Jahren (dem Alter, ab dem es in Deutschland erlaubt ist, an Glücksspielen teilzunehmen) sind, ist mehr als wahrscheinlich. Kinder und Jugendliche werden  so viel früher mit diesen Aktivitäten konfrontiert als sie eigentlich sollten.

Zu dieser Entwicklung passt, dass das kanadische Unternehmen BCLC (British Columbia Lottery Corporation) vor einiger die Empfehlung ausgesprochen hat, Kindern keine Rubbellose zu kaufen. Sie im Kindesalter mit dieser harmlos wirkenden Form des Glücksspiels zu konfrontieren, wirke sich negativ auf ihre Spielgewohnheiten im Erwachsenenalter aus.

Dasselbe soll nun auch für den Markt der sozialen Glücksspiele gelten. Es geht dabei in erster Linie nicht um echtes Geld, die Jugendlichen können also sorglos mit ihrem „Konto“ umgehen. In einigen Fällen lädt das Spiel sich sogar jeden Tag mit neuen Credits auf.

Im echten Leben funktioniert Glücksspiel nicht so – Erwachsene wissen das, Facebook & Co. macht Kindern und Jugendlichen allerdings etwas anderes vor. Kinder- und Jugendschützer befürchten nun, dass diese Unterscheidung zwischen Social Gambling und dem echten Leben für Minderjährige unscharf werde.

Regularien für Social Gambling

Aufgrund dieser zu befürchtenden Entwicklung fordern immer mehr Organisationen, die sich für verantwortungsvolles Spielen einsetzen, Regularien für Social Gambling. Die Anbieter der betroffenen Glücksspiele sind da naturgemäß anderer Meinung. Sie vertreten die Ansicht, dass der Staat nicht eingreifen müsse, so lange nicht um echtes Geld gespielt werde.

Das letzte Wort dürfte in dieser Debatte noch nicht gesprochen sein, bis es so weit ist – und auch danach – ist es an Eltern, die Kinder früh für das Thema zu sensibilisieren und darauf zu achten, was ihre Sprösslinge im Internet treiben.