Finanzieren Steuern bald die Casinos?

Veröffentlicht am 07/04/11 - bei Nicolas Reuss Nachrichten

Bisher waren die staatlichen Spielbanken in Deutschland für die Bundesländer eine Kuh, die gerne gemolken wurde. Das legale Glücksspiel bescherte den Ländern Monat für Monat reichlich Geld, doch das könnte jetzt bald ins Gegenteil umschlagen.

Vielen Spielbanken geht es nicht gut, einigen sogar so schlecht, dass sie vielleicht bald mit Geld vom Steuerzahler am Leben erhalten werden müssen. Ein solcher Wackelkandidat ist die Spielbank im bayerischen Bad Kötzing.

Im einen Jahr noch verloren mit bzw. in Spielbanken vor allem die Spieler und der Staat gewann, doch in diesem Jahr geht es auch dem Staat an den Kragen: Den Spielbanken geht es schlecht, das Glücksspiel läuft schleppend, der Staat verliert wichtige Einnahmen. Deshalb müssen in diesem Jahr vermutlich erstmals die bayerischen Spielbanken mit Steuergeldern bezuschusst werden, das berichtet Wochenblatt.de.

 

Umstrukturierungen helfen nicht

Neun Spielbanken gibt es in Bayern, besonders gefährdet sind derzeit die Spielbanken Bad Steben und Bad Kötzing. Beide Casinos waren von Anfang an nicht vom Glück beseelt, beide schrieben seit ihrer jeweiligen Eröffnung noch nie schwarze Zahlen. Ein Zustand, der so auf Dauer nicht tragbar ist. Im Jahr 2009 bedeutete das für die Spielbank in Bad Kötzing einen Verlust von 3,6 Millionen Euro! Rekord.

Die danach erfolgten Umstrukturierungen halfen ebenfalls wenig: Roulette-Tische wurden abgeschafft und zwölf Mitarbeiter entlassen. Zwar sanken die Verluste, aber Verluste blieben sie allemal. Eine Änderung dieses Zustandes ist bisher nicht in Sicht. Ein weiteres Problem bei dieser Bilanz: Die laufenden Kosten für die Spielbanken sind hoch und müssen ebenfalls bezahlt werden.

 

Spielhallen große Konkurrenz

Schon lange beklagen deutsche Spielbanken ihre derzeitige prekäre Lage: Die privaten Spielhallen, die  23 Stunden am Tag geöffnet haben, sind eine nahezu übermächtig scheinende Konkurrenz für die Spielbanken. Raucher bleiben aus, wer sich nicht nach den Öffnungszeiten der staatlichen Spielbanken richten will, entscheidet sich für eine der zahlreichen Spielhallen, die in den letzten Jahren überall wie Pilze aus dem Boden schossen.

Lange Anreise für die Besucher? Fehlanzeige? Spielhallen gibt es inzwischen fast überall. Pflicht zu Sakko und Turnschuhverbot? Fehlanzeige. Spielhallen sehen Dinge, wie Kleidervorschriften nicht so eng. Spielen erst ab 21? Ebenfalls Fehlanzeige. In Spielhallen darf bereits ab 18 Jahren gespielt werden. Viele Gründe sprechen aus Sicht der Spieler für die Glücksspielhallen.

 

Politische Lösung in Sicht?

Wie man in Bayern dem Problem der finanziell in Nöte geratenen Spielbanken lösen will, ist derzeit unklar. Vielleicht gibt der neue Glücksspielstaatsvertrag, über den in diesen Tagen gesprochen wird, ja einen Anstoß für eine Lösung für die deutschen Spielbanken.