Forscher wollen Glücksspiel regeln

Veröffentlicht am 21/09/10 - bei Nicolas Reuss Nachrichten

Nachdem die Medienwelt die gesamt vergangene Woche vom Ende des staatlichen Glücksspielmonopols in Deutschland berichtet hat (mit Ausnahme einiger weniger, die erkannt haben, dass das Urteil des Europäischen Gerichtshofes lediglich eine Empfehlung ausdrückt und keine verbindliche Aussage ist), haben die Wissenschaftler der Forschungsstelle Glücksspiel an der Uni Hohenheim nun ein Konzept vorgelegt, wie eine Neuregelung in Deutschland machbar wäre.

Klar ist, dass das Glücksspiel neu geregelt werden muss. Inwieweit das staatliche Monopol jetzt allerdings in Frage gestellt worden ist, ist noch unklar. Die Forscher an der Uni Hohenheim sehen ganz klar, dass s ich etwas ändern muss in Deutschland, entweder das Monopol an sich oder eben dessen Umsetzung in der Praxis. Klar ist auch, dass die Regelung des Glücksspiels in Deutschland einheitlich und schlüssig sein muss – das war bisher nicht der Fall.

Das Hohenheimer Konzept

Prof. Dr. Tilman Becker stellt in seinem „Hohenheimer Konzept“ Ideen vor, wie sich diese Kohärenz erreichen ließe. Dabei legt er die verschiedenen Gefährdungspotential zugrunde, denn daran müsse sich eine Neuregelung orientieren.

1. Sperrdatei für alle gefährlichen Formen des Glücksspiels

Gegenwärtig können sich Spieler, die ihr Verhalten nicht mehr im Griff haben, in eine Sperrdatei eintragen lassen. Daraufhin dürfen sie an den Glücksspielen nicht mehr teilnehmen. Bisher ist das aber nur für Spielcasinos und staatlich angebotene Sportwetten möglich. Das Hohenheimer Konzept will diese Möglichkeit jetzt auch auf das Automatenspiel in Spielhallen und Gaststätten ausweiten.

Denn genau hier lägen die größten Gefahren. „Die gegenwärtige Regelung ist nicht kohärent. Das ist so, wie wenn sich ein Alkoholiker für den Kauf von Whiskey sperren lassen kann, er aber weiter ungehindert Wodka kaufen kann“, erklärt Prof. Becker seinen Vorschlag.

2. Werbung für Lotterien erlauben

Bei der Werbung soll ebenfalls das Gefährdungspotential Grundlage dafür sein, zu entscheiden, ob Werbung für ein Glücksspiel erlaubt wird oder nicht. Für ungefährlichere Formen des Glücksspiels, wie zum Beispiel Lotto, die Sozial- und Kassenlotterien sowie die Gewinnsparlotterien sollte weitgehend erlaubt werden.

Bei anderen Casino Spielen, wie Roulette, Spielautomaten und Sportwetten sollten die restriktiven Regelungen wie sie derzeit noch für alle Formen des Glücksspiels gelten, jedoch beibehalten werden.

3. Öffnung des Internets

Ähnlich verhält es sich bei der Öffnung des Internets für Glücksspiele. Das Hohenheimer Konzept schlägt hier vor, den traditionellen Lotterien das Internet zu öffnen, denn hier gäbe es kein nennenswertes Suchtgefährdungspotential. Das Ausfüllen von Lottoscheinen im Netz sei daher unbedenklich.

Die strikten Regelungen in Deutschland haben dazu geführt, dass Spieler auf unkontrollierte ausländische Angebote zugreifen. Ein solches Verbot von Online Glücksspiel ist nicht mehr zeitgemäß und müsse überdacht werden. So schlägt das  Hohenheimer Konzept vor, das Internet für das legale Angebot an Casino Spielen und Sportwetten zu öffnen. Angebote, die ohnehin staatlich reguliert sind, können auch im Internet überwacht werden und es können Maßnahmen zur Suchtprävention ergriffen werden. Der Jugendschutz müsse durch eine eindeutige Identifikation der Spieler gewährleistet sein.