Glücksspiel für den Haushalt

Veröffentlicht am 28/12/10 - bei Nicolas Reuss Nachrichten

Griechenland geht es nicht gut. Das Land ist Pleite, die Europäische Union musste helfen, um die Krise annähernd abzufangen. Jetzt überlegt man sich offenbar nicht nur in Griechenland, sondern auch in anderen gebeutelten europäischen Ländern, wie man wieder Geld in die leeren Haushaltskassen spülen könnte. Eine Möglichkeit: Die Legalisierung von Online Glücksspiel.


In Griechenland ist man mit den Überlegungen offenbar schon einen Schritt weiter: Man will den Glücksspielmarkt für private Anbieter öffnen. Das Finanzministerium arbeitet angeblich gerade an einem entsprechenden Lizenzsystem, das die Öffnung des Marktes regulieren soll.

Verbot lockern für mehr Einnahmen

Wie in vielen anderen europäischen Ländern ist auch in Griechenland das Glücksspiel im Internet zur Zeit verboten. Noch bis 2020 hat Opap SA das Monopol auf die Sportwetten in Griechenland. Opap SA ist der griechische Monopolist, an dem der griechische Staat 35 Prozent der Anteile hält. Der Monopolist sieht sich bald vielleicht starker Konkurrenz gegenüber, wenn Griechenland wirklich die Sportwetten neu reguliert, um für mehr Geld in den Kassen des Staates zu sorgen.

Die Einnahmen könnte das finanziell ausgemergelte Land gut gebrauchen: Rund 1,3 Milliarden Euro will man mit Hilfe der Öffnung innerhalb von zwei Jahren einnehmen. Eine Summe, die der Haushalt gut gebrauchen könnte. Um den Markt trotzdem im Griff zu haben, soll eine staatliche Regulierungsbehörde eingerichtet werden, die die Lizenzen vergibt und das Geschehen überwacht.

Auch anderen europäischen Ländern könnte eine Öffnung des Marktes wichtige Einnahmen bescheren, die finanzielle Situation ist nicht nur in Griechenland desaströs, Experten sehen sogar den Euro in Gefahr. Für die Anbieter von Online Glücksspiel wäre die Öffnung der Märkte in Europa  ebenfalls eine lukrative Einnahmequelle.

Doch lieber ein Verbot?

Während man sich in Griechenland Gedanken über die Öffnung des Glücksspielmarktes macht und bereits an einem entsprechenden Lizenzsystem arbeitet, will man anderswo Online Glücksspiel verbieten: In Zypern will man Anfang 2011 Online Poker und Online Casinos verbieten, doch Malta und Großbritannien halten dagegen. Bereits im September dieses Jahres hatte Zypern einen Gesetzentwurf an die EU zur Freigabe geschickt, mit dem das Verbot ab 2011 rechtskräftig werden sollte.

Doch Großbritannien und Malta, Sitz zahlreicher Anbieter von Online Casinos, halten dagegen und haben ihre Stellungnahmen zu dem Entwurf bei der EU eingereicht, was zu Verzögerungen für das Verbot geführt hat. Entsprechend verärgert reagiert die Regierung in Zypern. Knackpunkt für den Streit ist die Konkurrenz zwischen Online Casinos, die ihren Sitz unter anderem in Malta haben, und den staatlichen Casinos in Zypern, die um ihre Einnahmen fürchten. Von einem Verbot von Online Glücksspiel erhofft man sich in Zypern offenbar die Erstarkung der heimischen Casinos und damit der Sicherstellung der Einnahmen aus dem Glücksspiel.