Glücksspiel-Risiken sind messbar

Veröffentlicht am 09/07/10 - bei Nicolas Reuss Nachrichten

Sowohl Spieler als auch Wissenschaftler stellen sich schon seit Langem die selbe Frage: Macht jedes Glücksspiel süchtig? Mit dieser Frage beschäftigt sich das "Wissenschaftliche Forum Glücksspiel".

Die Gruppe aus Wissenschaftlern der Hochschulen Bonn-Rhein-Sieg, Konstanz, Bremen und Berlin wollen auf diese Frage jetzt eine Antwort gefunden haben und stellten Anfang der Woche ein Instrument vor, mit dem sich das Gefährdungspotential von Glücksspielen messen lässt.

Fast Jeder hat schon einmal gespielt, ob am Spielautomaten, im Online Casino oder ganz einfach ein Videospiel am heimischen PC oder Fernseher. Spielen macht Spaß, aber der Übergang zum gefährlichen Bereich ist, wie bei allen Süchten, schleichend. Wer heute noch nur zum Spaß spielt, kann kurze Zeit später schon ein Fall für die Suchtberatung sein.

Risiken einschätzen können

Seit Anfang 2007 forschten die Experten aus den Fachrichtungen Ökonomie, Recht, Psychologie und Soziologie an ihrem Mess- und Bewertungsinstrument. Mit Erfolg. „Wir können auf wissenschaftlich fundierter Grundlage ein quantitativ messbares Profil einzelner Glücksspielprodukte erstellen“, erklärt Professor Franz W. Peren vom Fachbereich Wirtschaft der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Oder einfacher ausgedrückt: Die Forscher haben ein Werkzeug geschaffen, mit dem sich die Risiken, die von den verschiedenen Spielen ausgehen, vorher ablesen lassen.

Die wissenschaftliche Methode

Um feststellen zu können, wie ein Spiel auf den Spieler wirkt, wurden alle Merkmale untersucht, die das Suchtpotenial beeinflussen könnten, zum Beispiel die Häufigkeit von Ziehungen, sehr hohe Gewinne oder die Verfügbarkeit des Glücksspieles. Dann wurden diejenigen Faktoren, die für das Gefährdungspotential relevant sind, von Experten geprüft. Darüber hinaus wurden Normalspieler, Problemspieler und pathologische Spieler sowie Anbieter von Glücksspielen mit in die wissenschaftliche Arbeit einbezogen.

Fünf Gefährdungsklassen

Auf Grundlage ihrer Untersuchungsergebnisse konnten die Wissenschaftler zehn Kriterien herausarbeiten, die das Gefährdungspotential von Glücksspielen passend beschreiben. Diese Kriterien wiederum ermöglichen es, ein Profil für jedes einzelne Angebot zu erstellen und dieses anschließend in eine von fünf Gefährdungsklassen einzuteilen.

"Unser Instrument kann helfen, weniger suchtgefährdende Produkte auf den Markt zu bringen. Gleichzeitig bietet es die Möglichkeit, den ordnungsrechtlichen Rahmen für Glücksspielprodukte in Deutschland neu zu gestalten," erklärt der Leiter des Projektes, Professor Franz W. Peren.

Ziel des Ganzen soll es sein, künftig eine wissenschaftlich fundierte Zertifizierung von Glücksspiel-Angeboten durch eine unabhängige Prüfstelle zu erreichen. So soll sicher gestellt werden, dass  Gesetzgebung, Rechtssprechung und Verwaltung künftig die nötige Rechtssicherheit haben, um den Glücksspielstaatsvertrag angemessen umzusetzen.

Viel wichtiger jedoch ist, dass es für den Verbraucher Orientierung bieten kann. Dieser kann sich also vorab über den Risikofaktor eines Spiels informieren und sich dann dafür oder dagegen entscheiden. Damit das auch künftig so bleibt muss das neue Toll kontinuierlich angepasst werden, denn „schließlich entwickelt sich gerade dieser Markt global sehr dynamisch“, so Peren.