Internet- und Gluecksspielsucht

Veröffentlicht am 03/09/10 - bei Nicolas Reuss Nachrichten

Wer denkt, dass Internet- und Glücksspielsucht das Selbe sind oder einander bedingen, der hat damit nicht recht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die kürzlich in Australien veröffentlicht wurde. Durchgeführt haben die Studie Dr. Dowling von der Melbourne Universität und M. Brown von der Monash Universität. Offenbar ist jetzt ein Umdenken angesagt, was diese beiden Süchte angeht.

Internetsucht bedingt Glücksspielsucht, Glücksspielsucht bedingt Internetsucht. So lautete lange die Vermutung. Denn wer sich gerne und viel im Internet aufhält, der wird zwangsläufig auch mit Glücksspiel in Berührung kommen und in die Sucht abrutschen. Anders herum wird der, der pathologisch Spielt, auch bald den Weg ins Internet finden, um dort noch leichter spielen zu können. Doch diese Annahmen haben sich jetzt als falsch erwiesen.

Unterschiedliche Süchte

Die Studie mit dem etwas komplizierten Titel „Commonalities in the Psychological Factors Associated with Problem Gambling and Internet Dependence“ (zu deutsch etwa Gemeinsamkeiten psychologischer Faktoren im  Zusammenhang mit Glücksspiel- und Internetsucht) kam zu einem anderen Ergebnis. Der Studie zufolge sind beide Suchtphänomene gänzlich unabhängig voneinander, beide Süchte können völlig unabhängig voneinander auftreten.

Zwar sei das Entstehen der Süchte mit einer bestimmten Persönlichkeit verknüpft, dies gilt aber auch für andere Süchte. So seien Menschen, die ähnliche psychologische Profile haben, anfälliger dafür, eine Sucht zu entwickeln als andere. Besonders groß sei die Suchtgefahr bei Menschen, die zu Depressionen und Ängsten neigen oder unter Einsamkeit und Stress leiden. Diese Menschen hätten eine deutlich Größere Tendenz dazu, Suchtverhalten zu entwickeln als andere.

Doch es zeigte sich auch, dass diese Menschen entweder in die Glücksspielsucht oder die Internetsucht abrutschen. Nie jedoch beide Süchte gleichzeitig entwickelten.

Internet nicht der Übeltäter

Geht es also um das Thema Glücksspielsucht oder Spielsucht im Allgemeinen, dazu gehören auch Videospiele, Rollenspiele und andere, darf man das Internet nicht als Urprung allen Übels sehen. Die Süchte sind einander zwar ähnlich und auch die Menschen, die süchtig werden zeigen ähnliche Verhaltensweisen, doch es tritt nicht aus der Internetsucht noch eine Spielsucht auf. Beide Phänomene sind der Studie zufolge unabhängig voneinander zu betrachten.

Es zeigt sich also, dass wer solche Süchte behandeln möchte, sich genau mit dem betroffenen Menschen beschäftigen sollte. Die richtige Behandlung erfordert ein klares Verständnis für die Symptomatik, aber auch für die Konflikte, die den süchtigen Menschen betreffen.

Ganz klar sei an dieser Stelle auch noch einmal darauf hingewiesen, dass es für die verschiedenen Formen der Sucht Beratungsstellen gibt, die anonym aber auch persönlich Hilfestellung geben. Wer süchtig ist oder meint süchtig zu sein, muss sich nicht verstecken. Offenheit hilft, die Erkrankung zu besiegen.