Ladbrokes lechzt nach 888

Veröffentlicht am 23/12/10 - bei Nicolas Reuss Nachrichten

Wohl eine der wichtigsten Meldungen aus der Glücksspiel-Branche in diesem Jahr war die Fusion zwischen dem österreichischen Sportwetten-Anbieter Bwin und dem britischen PartyGaming Gruppe. Jetzt, kurz vor Jahresende, berichtet der „Sunday Telegraph“ von einer weiteren möglichen Kooperation in der Branche: Offenbar befinden sich Ladbrokes und 888 in Gesprächen.

Ladbrokes bietet allerlei Arten von Online Spielen an, die Casinos laufen mit der Software von Microgaming. 888 ist Spezialist auf dem Gebiet der Online Casinos, zur Firmengruppe gehört auch der Software Anbieter Dragonfish. Dem Zeitungsbericht zufolge hat Ladbrokes 888 kürzlich 240 Millionen britische Pfund geboten. Für diese Summe wollen sie offenbar 70 Prozent der Anteile an 888 erstehen.

Auch die Börse weiß Bescheid

Die Börse in London ist schon über das Vorhaben informiert, ein Zeichen für die Ernsthaftigkeit der Gerüchte. Beide Firmen haben gegenüber der Börse schon verlauten lassen, dass sie sich derzeit in Vorgesprächen befinden. Allerdings unterstrichen beide in ihrer Mitteilung gegenüber der Börse, dass die Gespräche nicht unbedingt auch in eine Einigung münden müssen.

Es ist nicht das erste Mal, dass die beiden Firmen miteinander in Verhandlungen stehen. Bereits im Jahr 2006 befanden sich die Glücksspiel-Anbieter in Gesprächen. Diese scheiterten schließlich jedoch am Inkrafttreten des UIGEA in Amerika, da dieser erhebliche Auswirkungen auf den  amerikanischen Glücksspielmarkt hatte.

Aktien von 888 sind gefallen

Bereits im Mai dieses Jahres gab 888 eine Mitteilung an die Aktionäre heraus: Die Aktien des Unternehmens waren um 13 Prozent im Wert gefallen. Seither wartet man in der Branche auf ein Zeichen, ob und von wem 888 übernommen werden könnte. Im August verhärteten sich die Spekulationen als 888-Geschäftsführer Gigi Levy bekannt gab, man stünde mit verschiedenen Online Glücksspiel Anbietern in Gesprächen. Bereits zu diesem Zeitpunkt wurde Ladbrokes als einer der Interessenten genannt. Damals fand es Pressesprecher Ciaran O'Brien allerdings noch verfrüht, um weiter darauf einzugehen. Auch der weitere Erfolg der Aktie von 888 sei nicht unbedingt an eine Fusion mit einem anderen Anbieter gebunden.

Es sieht jedenfalls so aus, als befände sich die Glücksspielbranche derzeit im Umbruch: Viele Länder in Europa und dem Rest der Welt regulieren ihre Märkte neu, die Branche reagiert entsprechend. Auf verschiedenen Konferenzen wurde in diesem Jahr viel darüber diskutiert, dass künftig nur wenige große Anbieter den Markt dominieren werden. Die Fusion zwischen dem österreichischen Sportwetten-Anbieter Bwin und der britischen PartyGaming Gruppe war der erste Schritt in diese Richtung. Es scheint, dass die Vorhersagen aus den Konferenzen tatsächlich wahr werden könnten – denn mit einer möglicherweise bevorstehende Fusion zwischen Ladbrokes und 888 würde der nächste große Player auf dem Markt entstehen.