Bisher hatte Las Vegas als besonders attraktive Stadt für Touristen eine vorrangige Stellung auf dem Markt.
Selbst wenn den Einheimischen das Geld ausgehen sollte, einen Markt für Besucher wird es auch in der Zukunft immer geben. Spektakuläre Entertainmentshows und hochpreisige Casino-Resorts sowie das gesamte Image der Stadt zieht Menschen aus aller Welt an, die sich in Neonlicht und potentiellem Reichtum baden möchten.
Doch auf dem Strip sind die Kapazitäten seit Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise nicht mehr erreicht.
Zwar gibt es einen anhaltenden Besucherstrom; die Infrastruktur der Stadt, ihre Konferenzräume und Veranstaltungsorte jedoch sind gerade bei Unternehmen beliebt gewesen und bleiben nun leer.
Bisher hat das Glücksspiel die Gelder in die Kassen gespült - was aber, wenn kein Geld mehr für Poker-Runden da ist?
Für die Stadt Las Vegas könnte das der Auslöser für einen subtilen Imagewandel gewesen sein, der sich langsam abzeichnet.
Die Infrastruktur der Stadt wird immer häufiger von Konferenzen, Veranstaltungen und Events rund um das Thema Mode genutzt.
Obwohl Las Vegas nicht zu den konventionellen Mode-Metropolen gehört, scheinen viele Designer und Organisatoren hier eine gute Plattform für Inspiration und wirtschaftlichen Austausch zu finden. Könnte das die Zukunft des Glücksspiels in Las Vegas beeinflussen?
Mittlerweile gibt es bereits zwei privat organisierte Fashion Weeks. Noch können sich diese nicht mit internationalen Shows messen.
Die LV-Fashion Week etwa versucht vor allem, lokale Designer und Studenten zu präsentieren und bietet diesen über sechs oder sieben Tage hinweg die ideale Plattform für eine langsame Annährung an die professionelle Modewelt.
Dabei gab es für die LV-Fashion Week einen ziemlich holprigen Start: Was eigentlich eine pompöse Show der Extravaganz werden sollte, wurde schließlich beinahe zu einem Charity-Event für Jungdesigner.
Das Geld fehlte, und auf Subventionen konnte nicht gebaut werden. Die Show, die schließlich im Palms stattfand, war aber dennoch überzeugend. Trotz der geringen Aufmerksamkeit des internationalen Markts konnte sich die Abendkleidung - perfekt für den Casinobesuch in der Stadt der Extreme - sehen lassen.
Die Fashion Week Las Vegas hingegen - die zweite Fashion Week der Stadt, die sowohl im Winter als auch im Sommer statt findet, wirkt schon von der Aufmachung her wesentlich glamuröser und professioneller, ist aber kleiner und von kürzerer Showcase-Dauer.
Wie so oft könnte die Stärke der Modenshows darin liegen, dass sich die zwei Institutionen und Macher verbünden, um in Las Vegas eine Fashion Week zu etablieren, wie sie auch in Berlin von Mercedes Benz erschaffen wurde.
Mit den Fashion Weeks jedoch ist der kleine Zustrom an Brancheninteresse noch nicht abgeschlossen.
Auch die Capsule Fashion Show hat - nach New York, Paris und Berlin - ihre Streetstyle Modemesse seit neuestem in Las Vegas gezeigt.
Hier hofft man, außerhalb der üblichen Modeszenen neue Inspirationsquellen zu finden. Die erste Capsule Show fand im Venetian Hotel statt und war durchaus erfolgreich.
Einheimische Designer bekommen neben großen internationalen Labels ihren Auftritt und bekommen so eine Chance, entdeckt und als potenzielle Geschäftspartner wahrgenommen zu werden.
Die Capsule sieht sich dabei auch als Mode-Botschafter: Einzelne Labels werden rund um die Welt von einer Capsule zur nächsten mitgenommen. Das macht die Messe einzigartig.
Die Standortwahl Las Vegas sorgt für Sympathiepunkte - als Mode-Underdog könnten hier schon bald viele neue Labels entstehen, die hier ein günstiges Geschäftsklima vorfinden.
Ob sich Las Vegas im Wandel der Zeit und mit dem Druck der Finanzkrise wirklich ein neues Image erschaffen kann, werden die nächsten Jahre zeigen.
Bisher wurde immerhin deutlich, dass die Wüstenmetropole mehr kann als nur Casino und Show.
Es ist zweifelhaft, dass die Gelder der Modeindustrie an die Umsätze des Glücksspiels herankommen können. Dennoch könnten hier zumindest die ausgefallenen Einnahmen kompensiert werden, von denen auch die Stadt steuerlich profitiert.
