Lächeln hilft beim Poker-Spiel

Veröffentlicht am 13/08/10 - bei Nicolas Reuss Nachrichten

Lächelnde Menschen sehen freundlich aus, sie sind anderen in der Regel sympathisch. Zumindest dann, wenn das Lächeln echt ist. Auch beim Poker kann sich ein echtes Lächeln auszahlen. Zu diesem Ergebnis kam eine vor Kurzem veröffentlichte Studie der Universität von Harvard. Sie zeigt ganz klar: Sieger lächeln!

Dass das berühmte Poker-Face ein wichtiger Bestandteil des Table-Images ist, mit dem die Spieler auftreten, ist bekannt. Bisher nahm man jedoch an, dass eher ein unnahbarer Ausdruck oder vorgespielte Emotionen zum gewünschten Erfolg führen. Doch weit gefehlt, die Gegner lassen sich offenbar viel eher von einem entwaffnenden Lächeln verunsichern als von einer versteinerten Mine.

Das Poker-Experiment

Die Studie, die von Erik J. Schlicht veröffentlicht wurde, hat eine Versuchsanordnung zur Grundlage, bei der Poker-Neulinge Texas Hold'em spielen mussten. Ob und wie gut die Spieler diese Variante beherrschten, wurde im Vorfeld des Experiments mit Hilfe eines einfachen Fragebogens ausgewertet. Die Testpersonen mussten dabei 70 von 100 Punkten erreichen.

Während der darauf folgenden Texas Hold'em Runden mussten die Spieler anhand ihrer Karten und dem Gesichtsausdruck des Gegners entscheiden, ob sie lieber mit einem Call oder einem Fold reagieren. Bei Erfolg gewannen die Probanden 5.000 Chips, bei einer falschen Entscheidung wurden ihnen 5.000 Chips abgezogen. Bei einem Fold verloren die Spieler 100 Chips.

Emotionen sind der Schlüssel

Die Versuchsanordnung zeigte ganz deutlich, dass eine mutwillig einschüchternde Mimik oder aber auch ein versteinerter Gesichtsausdruck kaum Einfluss auf die Entscheidungen der Testspieler hatten. Wurden diese jedoch mit einem lächelnden Gesicht konfrontiert, dauerten die Entscheidungen länger und wurden häufiger falsch getroffen.

Der Grund dafür liegt in der Selbstsicherheit, die ein lächelndes Gesicht ausstrahlt. Erik J. Schlicht beschreibt die Gründe dafür so: „Fehler gegen vertrauenswürdige Gegner sind das Ergebnis seiner erhöhten Verlustangst. Diesen Gegnern traute man im Durchschnitt bessere Hände zu als Spielern ohne Emotionen“.

Lächelnd zum Sieg

Sicher ist das Gewicht des lächelnden Gesichts bei den Poker-Pros nicht mehr von ganz so hoher Bedeutung. Hier sind ganz andere Faktoren wichtig, vor allem Menschenkenntnis und ein fundiertes Wissen über die Taktiken und Gewohnheiten der Gegner am Tisch. Ob ein lächelnder Phil Ivey tatsächlich noch öfter gewinnen würde, ließe sich leider nur mit einem Feldversuch herausfinden.

Sicher ist jedoch, dass es für den Poker-Neuling von Vorteil sein kann, seine Gegner auch einmal offen anzulächeln und nicht immer nur die versteinerte Mine aufzusetzen. Natürlich nur dann, wenn das Lächeln auch angebracht ist. Wichtig ist in jedem Fall eine Variation der Verhaltensweisen und die Entwicklung eines Table-Images, das nicht innerhalb kürzester Zeit durchschaut werden kann. Und das ist bekanntermaßen eine Kunst für sich.