Die Kosten der Spielsucht

Veröffentlicht am 28/10/11 - bei Nicolas Reuss Nachrichten

Eingehend wird zur Zeit über den Glücksspielstaatsvertrag berichtet, den die Ministerpräsidenten der Länder bis Ende des Jahres fertig haben müssen. Ein oberes Ziel des Staatsvertrages ist die Bekämpfung der Spielsucht, denn die Kostet den Staat jährlich Millionen. Wie viel genau, hat die Universität Hohenheim vor wenigen Wochen in einer Studie veröffentlicht.

Nach den Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erhob Prof. Dr. Tilmann Becker der Forschungsstelle Glücksspiel Zahlen zur Glücksspielsucht in Deutschland. Das Ergebnis: unter allen Süchten und den daraus resultierenden Kosten macht sie zwar nur einen kleinen Bruchteil aus, doch dieser schlug im Jahr 2008, das als Grundlage für die Studie diente, mit 326 Millionen Euro zu Buche.

Studie zu den sozialen Kosten des Glücksspiels

Unter dem Titel „Soziale Kosten des Glücksspiels“ legte die Forschungsgruppe der Uni Hohenheim damit erstmals auf Vorgaben der WHO beruhende Zahlen zur Spielsucht in Deutschland vor. Auch die Kosten, die als Folge von Tabak- und Alkoholkonsum entstehen, wurden in der Studie zum Vergleich mit herangezogen. Sie verursachen jährlich Kosten in Milliardenhöhe, die Spielsucht rangiert im Vergleich dazu auf den hinteren Plätzen. Doch auch deren Kosten sind für den Staat mit 326 Millionen Euro nicht unerheblich.

Die Studie unterteilt die Kosten, die durch Glücksspielsüchte entstehen in zwei Bereiche: die direkten und indirekten Kosten. „Die direkten Kosten betragen 152 Millionen Euro und die indirekten Kosten 174 Millionen Euro“, so die Studie. Unter direkten Kosten versteht Prof. Dr. Becker Kosten, die unter anderem durch stationäre und ambulante Behandlung von pathologischen Spielern entstehen. Aber auch Kosten, die durch Beschaffungskriminalität oder durch die Strafverfolgung entstehen, fließen in die direkten Kosten ein. Hinzu kommen Verwaltungskosten, die aufgrund der Arbeitslosigkeit vieler pathologischer Spieler entstehen, Kosten durch Ehescheidungen, Kosten für den Spielerschutz und für die Präventionsforschung.

Als indirekte Kosten weist die Studie der Universität Hohenheim Kosten aus, die durch den „spielbedingten Verlust des Arbeitsplatzes“ oder durch „krankheitsbedingte Fehlzeiten“ und „eine verringerte Arbeitsproduktivität pathologischer Glücksspieler“ heraus entstehen. Je nachdem welchen methodischen Ansatz man zur Auflistung dieser Kosten heranzieht, kann dieser Betrag noch variieren.

 

Und ewig lockt der Spielautomat

Ganz klar äußert sich die Studie auch beim Vergleich von Lotterien mit Spielautomaten, was die Kosten betrifft, die beide Glücksspiele im Zusammenhang mit Süchten verursachen würden. Offenbar belegen die Spielautomaten dabei mit 225 Millionen Euro pro Jahr den Spitzenplatz der sozialen Folgekosten, Spielsüchte, die im Zusammenhang mit Lotterien stehen, verursachten „soziale Kosten von etwas mehr als drei Millionen Euro“, so die Studie weiter.

Tipp: Wer sich und sein Spielverhalten kritisch prüfen möchte, findet hier Hilfestellung.