Poker-Betrüger ist abgetaucht

Veröffentlicht am 16/11/11 - bei Ander Samson Nachrichten

Bei der Poker-EM in Baden stellten zwei Spieler einen mutmaßlichen Poker-Betrüger, der sie und andere Spieler um mehrere Millionen Euro erleichtert haben soll (wir berichteten). Jetzt ist der Hauptverdächtige Maximilian A. offenbar auf der Flucht und im Ausland abgetaucht.

Doch allzu ernst scheint er die Verdächtigungen nicht zu sehen: auf seiner Facebook-Seite berichtet er offenherzig über seine Probleme und verlinkt auf passende Medienberichte.

Wie die österreichische Zeitung „Kurier“ berichtet, soll sich der gebürtige Münchner derzeit in Katar aufhalten. „Ich habe große Probleme“, schreibt er in seinem Facebook-Profil. Doch wie groß sie wirklich sind, ist zur Zeit noch unklar. Ob es zu einer Verhaftung und Verurteilung des mutmaßlichen Poker-Betrügers kommen wird, steht derzeit noch in den Sternen. Für die Polizei ist er erst einmal nicht greifbar.

 

Opfer ermitteln jetzt selbst

Maximilian A. soll sich mit Hilfe schadhafter Software, die er per USB-Stick unbemerkt auf den Computern seiner Opfer installiert haben soll, um mehrere Millionen Euro bereichert haben. Darunter viele prominente Spieler aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und England. Die Betroffenen ermitteln indessen auf eigene Faust – der Kurier zitiert einen der Betrogenen: „Wir sammeln gerade Beweise und versuchen, die Geschichte bestmöglich zu strukturieren, weil uns bewusst ist, dass es für einen nicht fachkenntlichen Polizisten sehr schwer sein wird, die Geschichte nachzuvollziehen“.

Sind genug Daten gesammelt und „strukturiert“ für die Polizei aufbereitet, will die Opfertruppe in London Anzeige gegen den in der britischen Hauptstadt wohnhaften Deutschen erstatten. Diese soll dann auch nach Österreich weiter geleitet werden. Ob und wie es zu einer Verurteilung kommen wird, ist allerdings noch nicht klar, denn die Rechtslage ist schwierig. Der Deutsche lebt in London, seine Opfer kommen aus ganz Europa.

 

Computer werden noch untersucht

Im Zuge der Poker-EM hatten zwei von Maximilian A.s Opfern ihn zur Rede gestellt und zur Polizei gebracht. Dort bestritt A. jedoch alle Vorwürfe. Als in der Szene im Vorfeld der EM Stimmen laut wurden, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugehe, ließen die beiden aus Österreich und der Schweiz stammenden Betrogenen ihre Computer von einem Fachmann auf einen Trojaner hin überprüfen.

Die schadhafte Software übermittelte die Karten der Spieler an Maximilian A.s Computer, der so Einsicht in die Karten seiner Gegner hatte und Pokerspiele zu seinem Vorteil manipulieren konnte. Inzwischen werden die in Baden beschlagnahmten Computer von zwei Pokerspielern vom Landeskriminalamt auf schadhafte Software hin untersucht, das Ergebnis ist allerdings noch offen.