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Das menschliche Spielverhalten fasziniert Psychologen seit langem. Konkurrenz und Wettbewerb, aber auch das Spiel im Team und die jeweiligen Auswirkungen dieser Rahmenbedingungen auf die Psyche der Beteiligten sind häufig Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Der langjährige Schwachweltmeister Emanuel Lasker versuchte mehrfach, die Motivation für das Spiel zu erklären: "Im Leben werden Partien nie so unstrittig gewonnen wie im Spiel; das Spiel gibt uns Genugtuungen, die das Leben versagt", begründete er einmal die Lust am spielerischen Kräftemessen. Friedrich Schiller ging sogar noch weiter: "Es ist das Spiel und nur das Spiel, das den Menschen vollständig macht", bekannte der Dichter und Dramatiker.

Im Kontext des Poker-Booms des letzten Jahrzehnts wurde vor allem die psychologische Kriegsführung, die am Pokertisch stattfindet, bis ins kleinste Detail untersucht. Die Eigenschaften eines professionellen Spielers werden oft mit den Qualitäten verglichen, die Investmentbanker und Aktienbroker mitbringen müssen: Selbstkontrolle und Disziplin zählen dazu, aber auch der Mut zum Risiko. Große Gewinne und Sicherheit schließen sich in der Regel aus.

Viele führende Verhaltenspsychologen bezeichnen den Spieltrieb des Menschen als normales und  natürliches Verhalten. Im Spiel werden Strategie und Konzepte erprobt und auf ihre Realitätstauglichkeit überprüft, teilweise dient das spielerische Kräftemessen mit anderen auch, genau wie Lasker sagt, dem Erreichen von Bestätigungen, die das reale Leben nicht bietet. Pädagogik und Didaktik nutzen das Spielbedürfnis zur Vermittlung von Wissen, mit Hilfe von Lernspielen werden Inhalte von Kindern wie Erwachsenen leichter behalten und erinnert.

Während jedoch Wissens- und Strategiespiele kaum kontroverse Reaktionen hervorrufen, ist das Glücksspiel immer wieder Gegenstand heftiger gesellschaftlicher Debatten. Oft wird es mit pathologischem, zwanghaftem Spielverhalten, Kontrollverlust, Abhängigkeit, sozialer Verarmung und wirtschaftlichem Abstieg gleichgesetzt. Wäre das Glücksspiel nicht so verpönt, würde nicht regelmäßig um die Einordnung von Poker in eine der Kategorien "Glück" oder "Geschicklichkeit" gestritten. Zur Eindämmung unerwünschten Glücksspiels werden Gesetze erlassen (Deutschland, USA und andere) und Sonderzonen geschaffen (Russland), generell wird es staatlicher Kontrolle unterstellt. Die Ablehnung gilt in noch stärkerem Maß für das Online-Glücksspiel, dem aufgrund der Verbindung von spielerischem Kick und fehlender sozialer Kontrolle ein besonders hohes Suchtpotential zugeschrieben wird.

Gerade das Spiel mit dem Zufall übt jedoch auf viele Menschen eine fast unwiderstehliche Anziehungskraft aus. Selbst jemand, der einen großen Bogen um reale oder digitale Casinos macht, füllt irgendwann einmal einen Lottoschein aus, kauft ein paar Rubellose oder wettet, und sei es nur im Freundes- und Familienkreis, auf den Ausgang einer Sportbegegnung. Dahinter stehen verschiedene Motivationen und Bedürfnisse: Das Herausfordern von Glück, das Eingehen von Risiken, Wettbewerbsdenken und die Erwartung einer materiellen Belohnung. Alle diese Verhaltensformen gehören zur Bandbreite natürlichen menschlichen Verhaltens.

Erst 2001 offiziell als Krankheit anerkannt, ist die Spielsucht die "jüngste" Suchterkrankung Deutschlands - obwohl es sie immer schon gegeben hat. Warum es bei der Mehrzahl der Menschen beim im wahrsten Sinne des Wortes spielerischen Herausfordern von Zufall und Risiko bleibt und sich bei einem geringen Prozentsatz eine Spielsucht entwickelt, ist nicht zweifelsfrei geklärt.

Im Kontext der Debatten um das Spiel und seine staatliche Reglementierung wird immer wieder gefordert, private Anbieter gar nicht mehr zuzulassen. Interessant ist in diesem Zusammenhang jedoch die Tatsache, dass 90% derjenigen, die Suchtberatungsstellen Probleme mit Geldspielautomaten angeben. Diese werden in Deutschland offiziell nicht zu den Glücksspielen gerechnet, sondern gelten als "Unterhaltungsautomaten mit Gewinnmöglichkeit" und dürfen somit auch von nichtstaatlichen Betreibern angeboten werden, während z.B. Poker streng reglementiert wird.