Spiele: Wir überschätzen unseren Einfluss

Veröffentlicht am 02/07/10 - bei Nicolas Reuss Nachrichten

An der Universität Jena forscht der Informatiker Jakob Erdmann zum Thema Glücksspiel. Er will herausfinden, wie man entscheiden kann ob es sich bei einem Spiel um ein reines Glücksspiel handelt oder ob auch eine Strategie zum Erfolg im Spiel notwendig ist. Herausgefunden hat er eines ganz bestimmt: Wir überschätzen unseren Einfluss im Spiel wie im Leben enorm.

Mit seiner Doktorarbeit mit dem Titel „Zur Einordnung von Glück und Strategie in Spielen“ will Erdmann den Charakter von Spielen untersuchen. Denn wer entscheidet, ob ein Spiel Glücksspiel ist oder nicht? „Die Bandbreite ist enorm. Sie reicht vom reinen Glücksspiel wie Roulette bis zum Strategiespiel par excellence, dem Schach“, sagt Jakob Erdmann. Und beim Backgammon zum Beispiel gehören sowohl kluge Entscheidungen als auch eine Portion Glück dazu, um zu gewinnen.

Ein Modell entwickelt

Um eine Aussagen über den Charakter von verschiedenen Spielen treffen zu können hat Erdmann ein Modell entwickelt, das an das Spiel „Ein Stein würfelt nicht“ von Ingo Althöfer angelehnt ist. Dazu erstellte Erdmann ein Modell, das die Spielzüge abbildet und die darauf folgenden möglichen Züge einbezieht, einen so genannten Spielbaum. Das Modell war außerdem so ausgelegt, dass alle Spieler den gesamten Spielstand kennen. Poker lässt sich somit mit diesem Modell nicht abbilden, da die Spieler hier keinen Einblick in den gesamten Spielstand haben.

Das Modell ist abstrakt

Die Aussagen, die Erdmann mit seinem abstrakten Modell über den Charakter von Spielen treffen kann sind natürlich generalisierend. Denn der Einfluss der Spieler sind bei jedem Spiel von Bedeutung. So ist es zum Beispiel ein Unterschied, ob zwei Kinder Tic Tac Toe spielen oder zwei Erwachsene. Für Kinder ist es ein Strategiespiel, „für uns Erwachsene ist es kein Strategiespiel mehr, weil wir es komplett durchschaut haben“, so Erdmann.

Das bedeutet, dass es eine eindeutige Skala von Glücks- zu Strategiespiel nicht geben kann, denn „um ein Spiel eindeutig einordnen zu können, müsste ich es für die konkreten Spieler analysieren“, erklärt der 29-jährige Erdmann.

Glück beim Roulette

Bei einem so beliebten Casino Spiel wie dem Roulette lässt sich aufgrund Erdmanns Modell ganz klar sagen: Die Zeit entscheidet ob Glücksspiel oder nicht. Wird nur über einen kurzen Zeitraum gespielt, ist Roulette ein reines Glücksspiel. „Wenn ich Roulette lange Zeit spiele, gewinnt immer die Bank“, so Erdmann. Eine bittere, aber unumstößliche Erkenntnis.

Aus seiner Arbeit kann Jakob Erdmann nicht nur Aussagen zum Charakter von Spielen treffen, sondern auch darüber wie wir Menschen unser tägliches Leben beeinflussen können. Und auch diese Aussage ist ein wenig bitter: „Die Arbeit zeigt, dass wir im täglichen Leben unseren eigenen Einfluss systematisch überschätzen.“