Steuerfreie Pokergewinne

Veröffentlicht am 17/12/10 - bei Nicolas Reuss Nachrichten

Unter deutschen Pokerspielern gab es in dieser Woche ein Aufhorchen. Grund dafür war die Entscheidung des Finanzamtes Soest, einem Hobbyspieler keine Steuern für Gewinne abzuknöpfen, die er beim Poker gemacht hatte. Jetzt hegen Spieler aus der ganzen Bundesrepublik die Hoffnung, ebenfalls steuerfrei davon zu kommen.

In den Jahren von 2007 bis 2009 hat ein Spieler aus Soest insgesamt etwa 304.000 Euro an Gewinnen mit seinem liebsten Hobby erzielt, dem Poker. Doch was tun mit dem Geld? Wie viele andere Spieler wandte sich der Soester an Rechtsanwalt Robert Kazemi. Dieser hat ihm dazu geraten, seine Gewinne dem Finanzamt mitzuteilen. Doch zunächst, ohne die genaue Höhe anzugeben.

Außenprüfung mit Happy End

Es kam, wie es kommen musste: Das Finanzamt Soest führte daraufhin eine so genannte „verkürzte Außenprüfung“ durch. Das ist ein Mittel der Finanzämter, mit dem gewerbliche Einkunftsarten aus einem beschränkten Bereich – in diesem Fall aus dem Pokerspiel – festgestellt werden. Dabei muss der Steuerpflichtige dem Finanzamt Fragen beantworten, Bücher und Geschäftspapiere sowie weitere Unterlagen zur Einsicht zur Verfügung stellen.

Der Pokerspieler aus Soest hat das alles pflichtschuldig getan, mit Erfolg. Denn das Finanzamt Soest zeigte sich nach der Außenprüfung kulant: Es stufte den Pokerspieler als Hobbyspieler ein mit dem Ergebnis, dass seine Gewinne nicht als gewerbliche Einnahmen gelten und damit nicht der Gewerbesteuer unterliegen. „Das Verfahren zeigt, dass es schlicht falsch ist, von der Höhe der Gewinne zugleich auf die Steuerbarkeit zu schließen, wie es so oft behauptet wird“, so Robert Kazemi.

Ehrlich währt am längsten

Was dem Pokerspieler auf jeden Fall zu Gute kam war mit Sicherheit seine Ehrlichkeit. Das Verfahren gegen ihn wurde eingestellt, sein Gewinn gilt nun als steuerfrei. Wer dem Finanzamt gegenüber ehrlich auftritt, kann oft mit Kulanz rechnen. Wichtig ist jedoch, so betont Kazemi, dass man sich nicht ohne Rückendeckung auf eine Diskussion mit dem Finanzamt einlässt. Denn „neben Kenntnissen des Pokerspiels an sich erfordert der Umgang mit Behörden auch eine umfassende Kenntnis der glücksspielrechtlichen Hintergründe“, so Kazemi weiter.

Ob Pokergewinne nun generell steuerfrei sind oder steuerbar sind, klärt das aktuelle Urteil des Soester Finanzamtes nicht. Hier stehen die Behörden noch vor einem großen Problem, denn sie sind sich durchaus darüber im Klaren was es bedeuten würde, wenn Pokergewinne der Gewerbesteuer unterliegen würden: So könnten Spieler Ausgaben als Betriebsausgaben absetzen usw. So ging einmal mehr ein Verfahren zu dieser Thematik zu Ende, ohne „grundsätzliche Fragen“ zu klären, so Rechtsanwalt Robert Kazemi.