Urteil: Poker erfordert Geschick

Veröffentlicht am 15/07/10 - bei Nicolas Reuss Nachrichten

Die Richter in der Niederlande haben offensichtlich etwas übrig für Poker. In Den Haag wurde dieser Tage vor Gericht ein für das Pokerspiel möglicherweise bahnbrechendes Urteil gefällt: Poker sei nach Ansicht des Gerichtes kein Glücksspiel im Sinne des Gesetzes. Der Anwalt Peter Plasman kämpfte für seine Mandanten, die 2006 in den Niederlanden Poker-Turniere veranstaltet hatten, obwohl sie dafür keine Lizenz hatten.

Wegen Veranstaltung unerlaubten Glücksspiels waren Plasmans Mandanten damals verurteilt worden. Doch jetzt hat das Gericht in Den Haag anders entschieden. Poker sei kein Glücksspiel im Sinne des Gesetzes.

Regelung in den Niederlanden

In den Niederlanden ist die Rechtslage seit 1998 ähnlich wie in Deutschland. Poker ist ein Glücksspiel und darf nur mit einer staatlichen Lizenz betrieben werden. Diese Regelung könnte mit dem neuen Urteil nun ins Wanken geraten. Denn die Richter in Den Haag ordneten Texas Hold'em Poker als Geschicklichkeitsspiel ein.

Das wenig überzeugende Argument, dass Poker in vielen anderen Staaten Europas als Glücksspiel klassifiziert werde, ließen die Richter nicht gelten. Vielmehr sei der Aspekt des Geschicks und des Könnens des Spieler beim Texas Hold'em so groß, dass man nicht mehr von Glücksspiel sprechen könne.

So argumentierte auch der Anwalts Plasman. Beim Poker spiele zwar bei einem kurzen Zeitraum das Glück eine große Rolle, doch über einen längeren Zeitraum seien die Fähigkeiten des Spielers ausschlaggebend für den Ausgang der Partie. Der Spieler könne auf lange Sicht durch geschicktes Spielen seine Chancen erhöhen.

Eine Formel für Spiele

Professor Ben van der Genugten von der Universität Tilburg ist schon lange der Ansicht, dass Texas Hold'em Poker ein Geschicklichkeitsspiel ist. Der Experte für Statistik und Wahrscheinlichkeitsrechnung hat eine Formel entwickelt, mit der sich herausfinden lässt, ob ein Spiel ein Glücksspiel ist oder nicht. Bisher wurde diese Formel von den Gerichten zwar auf Spiele angewandt, aber noch nicht auf Poker. Das hat sich nun geändert.

Die Staatsanwaltschaft ist freilich nicht erfreut über das Urteil. Sie will Berufung gegen das Urteil einlegen. „Das Urteil ist sehr ungewöhnlich, da in den angrenzenden Ländern Poker als Glücksspiel angesehen wird. Für uns ist klar, dass Poker ein Glücksspiel ist.“

Vorstoß aus Deutschland

Auch in Deutschland haben sich Rechtsanwälte schon mit dem Thema beschäftigt. Die Rechtsanwälte Dr. Wulf Hambach, Dr. Michael Hettich und Dipl.-Jur. Univ. Thobias Kruis veröffentlichten vergangenes Jahr in der Zeitschrift „Medien & Recht“ einen Aufsatz mit dem Titel „Verabschiedet sich Poker aus dem Glücksspielrecht?“ Der Aufsatz enthält die Ergebnisse eines Feldversuches, der von der TÜV Rheinland Secure IT durchgeführt wurde.

Damit sollte bewiesen werden, dass beim Texas Hold'em das Geschick wichtiger ist als das Glück. Ergebnis: Die getesteten Spieler, die große Kenntnisse im Texas Hold'em hatten, schnitten deutlich besser ab als die Anfänger. Beweis erbracht - Poker ist kein reines Glücksspiel. Fragt sich nur, wann dieses Ergebnis in den Glücksspielstaatsvertrag einfließt.