Urteil: Pokerspieler muss Gewinne versteuern

Urteil: Pokerspieler muss Gewinne versteuern

Veröffentlicht am 28/09/15 - bei CasinoToplists Nachrichten

Es ist ein Urteil, das wie ein Paukenschlag Mitte September die Runde in der Poker-Gemeinde machte. Der deutsche Poker-Profi Eduard „Eddy“ Scharf aus Köln muss seine Poker-Gewinne versteuern. Ein Urteil, das einer „finanziellen Hinrichtung“ gleicht, so Scharf. Und ein Urteil, das auch für andere Pokerspieler in Deutschland weitreichende Folgen haben könnte.

Von Beruf ist Eddy Scharf eigentlich Pilot, der heute 61-jährige bereiste die Welt und saß dabei an so manchem Poker-Tisch. Auch hochkarätige Turniere waren dabei. Heute ist er unter anderem als TV-Experte für den Sender Sport1 tätig. Doch auch das Pokern zählt weiterhin zu seiner Leidenschaft.

Schon 2012 geriet Scharf ins Visier der Kölner Finanzbehörden, die forderten immense Summen von dem Pokerspieler. Der Fall landete vor dem Finanzgericht Köln und schließlich vor dem Bundesfinanzhof, der vor zwei Wochen ein Urteil fällte: Scharf muss seine Einnahmen versteuern. Ein Präzedenzfall auch für andere Poker-Spieler?

Rückblick im Fall Scharf

Viele Jahre lang hatte der Kölner Poker-Profi an Pokerturnieren teilgenommen und dabei laut „Hendon Mob Database“ Preisgelder in Höhe von mehr als 1,3 Millionen US-Dollar erhalten. Klar, dass der Fiskus davon auch etwas ab haben will. In der Verhandlung vor dem Finanzgericht ging es ganz konkret um das Jahr 2008, in der Scharf Einnahmen in Höhe von 121.686,59 Euro erzielt haben soll.

Scharf kritisierte aber, dass die Ausgaben (Buy-Ins, Reisekosten usw.) nicht ausreichend berücksichtigt worden seien. Belegen konnte er sie aber auch nicht, denn er ging zu dem Zeitpunkt davon aus, dass Poker-Gewinne als Gewinne aus Glücksspielen steuerfrei seien und er deshalb keine Belege aufheben müsse.

Poker kein Glücksspiel

Das Finanzgericht – und das wiederum könnte die Poker-Gemeinde freuen – definierte die von Scharf gespielte Poker-Variante Omaha Limit und Omaha Pot Limit eher als Geschicklichkeitsspiel, denn es käme dabei viel mehr auf das Können des Spielers als auf das Glück und den Zufall an. Deshalb müssen die Einnahmen versteuert werden.

Für den Bundesfinanzhof war diese Argumentation in seiner Revisionsentscheidung weniger wichtig. Für das Oberste Gericht in Steuersachen ging es vielmehr darum, dass Scharf quasi als professioneller Pokerspieler quasie eine Art Gewerbetreibender sei. Und diese Einkünfte seien in jedem Fall zu versteuern. Denn gewerblich tätig ist, wer eine nachhaltige Tätigkeit ausübt, mit der Absicht, Gewinn zu erzielen. Und das will wohl jeder professionelle Pokerspieler.

Ab und zu ist nicht gewerblich

Doch Hobby-Pokerspieler können sich nun auch gleich wieder entspannen, denn wenn der Bundesfinanzhof die nachhaltige Tätigkeit zugrunde legt, ist die gelegentliche Teilnahme an Turnieren nicht mit einem Gewerbe gleichzusetzen. Wer also nur ab und an mal spielt, hat Glück gehabt. Das betonten auch die Richter des Bundesfinanzhofes.